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Leitfaden für Genossenschaften

Stand 2020

Allgemeine Hinweise

Dass es die besondere Rechtsform Genossenschaft überhaupt gibt, ist dadurch gerechtfertigt, dass eine gesetzliche Pflicht zur Mitgliederförderung besteht. Prof. Beuthien spricht von einer Art Systemvoraussetzung. Eine juristische Person, die die Rechtsform der Genossenschaft wählt, ist quasi gezwungen, ihre Mitglieder zu fördern.

Wer verstanden hat, dass, (wechselseitiges) faires und intelligentes Fördern die Grundlage einer jeden Kooperation ist, erahnt welche Bedeutung Genossenschaften zukommen, um mehr Miteinander in Wirtschaft und Gesellschaft zu erreichen.

Hinweis zu Ausnahmesituationen:

Das GenG fordert grundsätzlich, dass Genossenschaften alle Mitglieder fördern. Es ist jedoch wirklichkeitsfremd, anzunehmen, dass jederzeit eine Förder-Möglichkeit gegeben ist. Ausnahmen könne die nachfolgenden, beispielhaften Situationen darstellen:

  1. Die Gründungs-Phase
  2. Eine Umbau- oder Umbruch-Phase
  3. Eine Konsolidierungsphase
  4. Eine Phase fehlender Erträge
  5. Ein gezielter Aufbau von Rücklagen, um die Förderfähigkeit weiter zu verbessern.

Das legt die Vermutung nahe, dass das Förderprinzip im GenG durchaus einen Unterschied kennt und differenziert zwischen:

  1. Grundsätzlicher Anerkennung des Förderprinzips
  2. Grundsätzlicher Wille zur Förderung
  3. Grundsätzliche Bereitschaft zur Förderung

Förderzweck – was ist das und für wen?

Das Gesetz spricht vom Wesen der Genossenschaft (§1 GenG).:

Der Zweck der Rechtsform Genossenschaft ist darauf gerichtet, den Erwerb oder die Wirtschaft ihrer Mitglieder oder deren soziale oder kulturellen Belange durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb zu fördern (§1 GenG).

Fördern der Mitglieder heißt allerdings nicht, dass jedes einzelne Mitglied die Förderung annehmen muss. Im Interesse der Mitgliederförderung können, sofern die Satzung das zulässt, auch investierend Mitglieder aufgenommen werden.

Die Förder-Konzeption (Voraussetzungen):

Beschlüsse und Dokumentationen zur Mitglieder-Förderung

Es muss erkennbar sein, dass die Gremien der Genossenschaft dem Förderprinzip hinreichend Beachtung schenken. Das Thema Mitgliederförderung muss entsprechend intensiv dokumentiert werden.

Die Förder-Richtlinien:

Die Bedeutung der Mitgliederförderung muss besonders hervorgehoben werden. Näheres hierzu sollte in einer speziellen Ordnung/Richtlinie festgehalten werden.

Die Förder-Ertrags Planung und die Förder-Ertrags Vorschau:

Eine Ertragsplanung/Vorschau ist geübte Praxis bei jeder unternehmerischen Aktivität und sollte deshalb auch für den Förderzweck erstellt werden.

Die Förder-Bilanz:

Plandaten führen zu tatsächlichen Ergebnissen, die in einer Förder-Bilanz festgehalten werden sollten.

Berichte und Anträge zur Mitglieder Förderung:

Spätestens bei der Generalversammlung sollte umfassend zur Mitglieder-Förderung berichtet, diskutiert und abgestimmt werden. Der Bericht muss von einem Mitglied des Vorstandes oder/und Aufsichtsrat erstellt werden.

Prüfung der Mitglieder Förderung:

Die Prüfung der Mitglieder Förderung umfasst folgende Themen:

  • Wie ist das System des Förderzwecks gestaltet?
  • Wie effektiv arbeitet das Förder-System?
  • Welche Empfehlungen sind zu geben, um das Förder-System zukünftig zu verbessern oder zu optimieren?
  • Kann das Förder-Potenzial erweitert werden?

Dieser Leidfaden befasst sich ausschließlich mit dem Thema Mitglieder-Förderung. Er soll dazu dienen Anregungen zu einem der wichtigsten und zentralsten Thema der Genossenschaften Anregungen zu geben. Alle Angaben sind ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit.